07271 950 33 07 - Im Trauerfall jederzeit telefonisch erreichbar 

'Eine Art Feuilleton'

 

Sommerloch


Bananen, Pilze, Bambus und andere Bioprodukte eignen sich wohl oder durchaus oder natürlich oder in Zukunft als Rohmaterial für Särge – und zwar für biologisch einwandfreie Särge.
So baut die niederländische Firma Loop Särge aus Pilzgeflecht. Wer sich in so einem „Lebenden Kokon“ begraben lässt, macht quasi der Erde noch zuletzt ein Geschenk: so zumindest der Hersteller. Der Sarg soll sich innerhalb eines Monats vollständig auflösen und das Myzel, der Pilz, als Recycler des Waldes eine gute ökologische Bilanz hinterlassen – und noch besser: sogar den Wald reinigen. Auch der im Inneren des Kokons liegende Körper soll (!) sich schneller zersetzen bzw. kompostieren. Was genau „schneller“ heißt, bleibt eher undefiniert. „Unser lebender Kokon ermöglicht es den Menschen, wieder eins mit der Natur zu werden und den Boden anzureichern, anstatt ihn zu verschmutzen", sagt Bob Hendrikx, der Firmengründer.
Geeignet sind diese Särge laut Hersteller vor allem für eine Waldbestattung – in den Niederlanden ohne Friedhofspflicht offenbar kein Problem. Eine Waldbestattung hierzulande gibt es nur in ausgewiesenen Ruhewäldern und nach einer Feuerbestattung.
Eine Alternative zu einem „Pilzbegräbnis“ könnte eine Bestattung in einem Sarg aus wilder Ananas (Pandanus) und Bambus sein. So stellt die in Deutschland sitzende Firma boscamp greencoffins Särge aus Naturmaterialien her, die sich schon rein optisch von den klassischen Holzsärgen absetzen. Sie erinnern eher an Weidenkörbchen in XXXL. Alle Produkte tragen laut Hersteller das Eco-Fairtrade- oder das FSC-Zertifikat.
In Sachen Sarg tut sich was! Ob nachhaltig oder nur als Idee – das wird sich zeigen.
Mehr Information zu den Herstellern und Produkten:
www.greengadgets.de und www.boskampgreencoffins.de
Bild: #356687931 von kichigin19 - stock.adobe.com



Selbstfürsorge


Wie einem der Schnabel gewachsen ist: Poesie – ein Weg in die Zukunft.
Der Tod eines sehr nahestehenden Menschen ist immer eine Krise. Selbst wenn der Tod nach langer, unheilbarer Krankheit eine Erlösung zu sein scheint. In Zukunft liegt vor den Hinterbliebenen ein Leben ohne den Partner, ohne den Freund, ohne das Kind …
Ein Schicksalsschlag, der das Leben ändert – ob man will oder nicht. Und in jedem Fall geht das Leben weiter. Die Zeit bleibt nicht stehen.
Eine Auseinandersetzung mit dem Erlebten und mit der Krise hilft, in der Zeit zu bleiben und Schritte in Richtung Zukunft zu gehen. Nicht immer steht hierfür ein menschlicher Begleiter zur Verfügung. Aber auch ohne kann man ins Gespräch kommen – mit sich selbst! Das Vehikel dazu: Papier.  Etwas in eigene Worte fassen und niederschreiben entlastet und bietet einen Weg, eine Situation – eine Krise – zu ordnen.
Das hat diverse Vorteile: Im Selbstgespräch kann man reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Kein Gefühlsausbruch ist unangenehm, kein Gestammel peinlich, es gibt kein Tabu, das nicht gebrochen werden kann. Als treuer und vertraulicher Partner ist das Papier ein Helfer, ein Begleiter und gefüllt ein Archiv der eigenen Gefühlswelt. Eine ganz eigene Poesie!
Innerhalb der psychotherapeutischen Kreativtherapie ist Schreiben – wie auch Malen oder Tanzen – eine alternative Methode der Selbstheilung. Dies kann man ganz für sich probieren – oder begleitet mit externer Hilfe eines Poesietherapeuten. Auch in der Literatur findet man viele interessante Anregungen und Hilfestellungen. Psychotherapeuten und Literaten sind sich einig: „Schreiben kann helfen, Stimmungen auszuhalten und Krisen zu bewältigen.“
Also vielleicht einfach loslegen und sich beschäftigen – mit sich selbst und der aktuellen Situation. Eine eigene Poesie kreieren und so ganz unverblümt für sich selbst sorgen.

Bild: #424104746 von scott – Adobe Stock

5/2021


„40 Tage fasten, 50 Tage feiern – die Osterzeit“


Ein kleines 1x1 der christlichen Bräuche.
Wir erinnern uns: Aschermittwoch – in diesem Jahr für alle Karnevalsliebenden besonders bitter: keine vorausgehende 5. Jahreszeit, keine Sitzungen mit all den herrlichen Persiflagen und satirischen Reden, kein Schunkeln, kein Rosenmontagszug.
Aber trotz allem ist Aschermittwoch auch im Jahr 2021 der Beginn der Fastenzeit, auch Passionszeit genannt: 40 Tage ohne.
Am Gründonnerstag ist es dann geschafft. 40 Tage Fastenzeit mit Verzicht, Buße und Besinnung sind durchgestanden. In Demut beginnt an diesem Tag das Osterfest. Gründonnerstag hat in der Liturgie eine große Bedeutung. Ein besonderer Blick richtet sich im Gottesdienst auf das letzte Abendmahl Jesu, der am Vorabend seines Todes seinen Jüngern nach der Überlieferung die Füße wusch. Eine Demutsgeste.
Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung, ein Feiertag, der auch in diesem Sinne begangen wird: kein Blumenschmuck in den Kirchen, ein leerer Altar, ein Gottesdienst mit eigenen Regeln. Der Wortbestandteil „Kar“ bedeutet Klage, Kummer oder Trauer.
Auf den Todestag Jesu folgt ein Tag der absoluten Stille. Am Karsamstag ist Grabesruhe, es finden keine Gottesdienste statt. Es ist still.
Ostersonntag ist der Tag der Auferstehung Jesu Christi. Es ist der ranghöchste Festtag im Kirchenjahr. Bereits in der Osternacht zuvor, erwarten die Gläubigen in einer Nachtwache (Gottesdienst) die Auferstehung Jesu. Die Messen beginnen am Karsamstag nach Sonnenuntergang und enden vor Sonnenaufgang am Ostersonntag. Der Ostersonntag ist immer der 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang. Ostern wird also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April gefeiert. Nach dieser Rechnung richtet sich die Karnevalszeit mit Rosenmontag und Aschermittwoch: 40 Tage ohne.



Der 50. Tag der Osterzeit und auch ihr Ende ist Pfingsten. An Pfingsten sandte der auferstandene Jesus Christus, an der Seite seines Vaters, seinen Jüngern den Heiligen Geist: den Beistand, den er ihnen versprochen hatte. Diese konnten daraufhin die Botschaft Jesu in die ganze Welt tragen.
40 Tage fasten, 50 Tage feiern – auch im Jahr 2021!

Bild: #416285083 von Photo-SD – Adobe Stock



Neues in Sachen: der letzte Gang


Klimaneutral zur letzten Adresse

Die Bestattungsbranche ist bekanntermaßen eher zurückhaltend, weniger innovativ oder gar extrovertiert veranlagt. Das kommt aus der Sache an sich: So sind doch das Sterben, der Tod und alles, was damit zusammenhängt, immer noch nicht aus ihrer Tabu-Ecke herauszubekommen. Der Tod ist nach Möglichkeit nicht sichtbar – und das ist ja irgendwie auch verständlich.
Trotzdem ist hier und da in der Bestattungskultur etwas los, sei es bei ungewöhnlich inszenierten Abschiedsfeiern mit Rockmusik und einem Hellem am Grab oder mit einer Lichtershow in der Trauerhalle. Das Grabmal kann ein Klassiker aus Stein sein, aber auch eine Skulptur aus rostigem Cortenstahl. Auf dem Grabmal steht: „In Liebe“, aber durchaus auch: „Tiefergelegt am …“.
Auf den Friedhof kommt der Verstorbene oftmals mit einer leistungsstarken Luxuskarosse mit Sternenhimmel und Seidenvolants, oder - und das ist doch mal eine Nachricht wert: mit dem Fahrrad.
Seit dem Herbst 2020 gibt es in Oldenburg ein Bestattungsfahrrad. Ein Unikat und eine Sonderanfertigung des Oldenburger Künstlers Michael Olsen. Seine Idee: den Tod und Abschied wieder sichtbar machen. Dort, wo alltäglich das Leben pulsiert: auf der Straße. Mit dieser Idee und der ersten Testfahrt hat er positive Resonanzen und auch eine Bestatterin, die dies mit in ihr Programm aufnehmen möchte, gefunden. „Reduziert, wertschätzend und angemessen langsam.“ So beschreibt eine Passantin begeistert ihren Eindruck.
Für eine Fahrradstadt wie Oldenburg scheint das eine fast naheliegende Idee zu sein, zumindest eine, die sich damit beschäftigt, den Tod doch noch aus seiner Tabu-Ecke herauszuholen. Und klimaneutral ist sie zudem, die letzte Fahrt auf zwei Rädern.

Bild:#184692821 von grebnerfotografie - stock.adobe.co



GOTT von Ferdinand von Schirach


Wieder einmal ein Fernsehbeitrag, der sich mit dem Sterben beschäftigt. Besser: mit der Frage nach der Hilfe zum Sterben, explizit mit der Hilfe zum Suizid. Und vor allem: mit der Einstellung der Gesellschaft dazu – mit der Moral unserer Zeit.
Das Buch GOTT von Ferdinand Schirach ist noch recht frisch, erst im September dieses Jahres kam die Erstausgabe in die Bücherläden. Parallel dazu wurde die Bühnenversion an einigen Theaterhäusern ins Programm genommen und ein ARD-Fernsehkammerspiel gedreht.
Es geht um die Frage: „Darf ein Mensch selbstbestimmt sterben und sich hierbei professionelle Hilfe suchen?“ Grundsätzlich hat das Bundesverfassungsgericht dieses Jahr im Februar in Sachen Sterbehilfe ein Urteil getroffen, das „ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ vorsieht – sowie das Recht, hierfür Hilfe bei Dritten zu suchen.
Bei dem Stück GOTT geht es um die Frage, welche gesellschaftliche Instanz mit welcher Moral eine solche Fragestellung wie beantworten würde. Was ist unsere Moral, wer beschreibt sie – und steht sie im Gegensatz zu unserer Lebenswirklichkeit und vor allem im Gegensatz zu unseren Gesetzen?
Ferdinand von Schirach nimmt in seinem Buch und vor allem auch im Theater und im Film uns als Zuschauer unmittelbar mit ins Boot, er macht uns zu Mitdenkern und Mitentscheidern. Er will, dass wir uns mit Fragen auseinandersetzen, die sich uns sonst so wahrscheinlich nicht stellen, da sie Ausnahmeerscheinungen und nicht alltäglich sind.
Der (Deutsche) Ethikrat, der hierbei ebenso angerufen wird, beschäftigt sich auch im wirklichem Leben mit den Fragen der Gesellschaft und des Lebens. Er gibt Stellungsnahmen zu Themen unserer Zeit heraus und ist für die Politik und auch für die Öffentlichkeit Berater und Impulsgeber.

Sehenswert also der Film GOTT von Ferdinand von Schirach, in der ARD-Mediathek noch bis zum 23.12.2020.
Informativ: Deutscher Ethikrat www.ethikrat.org

Bild: #323740019 von Bernulius - stock.adobe.com



WIE DAS STERBEN IN ZEITEN VON CORONA ZUM MEDIENTHEMA WIRD.


Seit nahezu sechs Monaten beschäftigt uns alle ein Thema am allermeisten: Corona, oder COVID-19. Die aktuelle Situation, die Aussichten und der Umgang mit den sich einstellenden Umständen. Und: das sonst so gern verdrängte Thema Sterben. Auch in den Medien ist dies das vorherrschende Programm. Im Netz, im Radio und im Fernsehen.

Interessant ist die ZDF-Sendung „Aspekte on tour“ vom 14. August 2020 mit dem Thema „Endlich – ein neuer Umgang mit dem Sterben“. Oder auch mit dem Titel „Sterblichkeit in Zeiten von Corona“. Noch zu sehen in der ZDF-Mediathek.

„Die Begrenzung des Lebens, also der Tod, gehört zum Leben dazu. Das rückt in den jetzigen Zeiten wieder in unser Bewusstsein.“ In dieser „Aspekte on tour“-Sendung wird darüber gesprochen: über den Tod, den Weg dorthin und die Trauer der Angehörigen. In heutigen Zeiten. Das meint eben nicht nur in den letzten sechs Monaten, sondern in unserer heutigen Zeit allgemein. In der das Sterben durch den Einsatz hochmoderner Medizin mitunter lange dauern kann.

Zu Wort kommen der Palliativmediziner Matthias Gockel, Künstler wie die Geigerin Anne-Sophie Mutter und der Theaterregisseur Claus Peymann, die Initiatorinnen des Podcasts „endlich“ und andere.

Ein guter ZDF-Beitrag, der nicht erschreckt, sondern anregt, das Sterben und den Tod wieder mehr ins Leben zu holen. Ganz unabhängig von Corona.

Der Beitrag ist zu finden in der ZDF-Mediathek unter www.zdf.de/sendung-verpasst.

Bild: #170326292 von parallel_dream – stock.adobe.com

September 2020


THE BEST WAY TO SPREAD LOVE IS TO KEEP THE DISTANCE


So oder auch mit anderen Worten wie „zwei Meter Abstand bitte“ oder mit einfachen, mittlerweile tausendfach gesehenen Piktogrammen kann man die jetzige Zeit knapp zusammenfassen. Social distancing wohin man sieht.
Kaum ist die Krise etabliert, Masken und Abstand fast alltäglich, entstehen überall kreative Ideen mit dem Umgang sonst alltäglicher Situationen.

Bestatter haben mittlerweile oftmals mobile Plexiglasscheiben zur Hand und können damit nach einiger Gewöhnungszeit doch private Trauergespräche führen - in ihren Räumlichkeiten oder bei der Trauerfamilie zu Hause. Ohne Maske, mit Mimik und vertrauter menschlicher Nähe.

Auf Friedhöfen war zu Beginn der Corona-Krise sogar eine Trauerfeier mit Gästen unter freiem Himmel untersagt, an die Benutzung einer Kapelle war gar nicht zu denken. Mittlerweile sind die Vorgaben wieder etwas gelockert, mancherorts sind bis zu 50 Personen erlaubt, aber es gilt das Hausrecht. Die Entscheidung liegt bei der Friedhofsverwaltung. Der Aufwand des Hygienekonzepts, vor allem in geschlossenen Räumen, ist groß.

Und da ist die nächste kreative Idee: Online-Gedenk- und Trauerfeiern. Versprochen wird, dass alles, was man von einer realen Trauerfeier kennt, auch online zu erleben ist: ein Trauerredner, der nach vorheriger Abstimmung über den Verstorbenen spricht, ein Musiker, der die Lieblingsmelodie spielt. Und die Angehörigen, ein jeder zu Hause an einem Endgerät online dabei und sogar irgendwie miteinander Kaffee trinkend und in Erinnerungen schwelgend. Wie das geht, erklärt ein Video der Anbieterfirma Convela unter www.trauerfeier.online.
Vielleicht ist das, nachdem man sich ein wenig an den Gedanken gewöhnt hat und ein bisschen in Übung ist, gar keine schlechte Idee. Nicht nur in Zeiten der Krise, sondern auch für die ganz normalen Umstände einer Bestattung, denn so könnten auch weniger mobile Angehörige, im Ausland lebende Kinder oder Enkel mit dabei sein.
Ein Blick in die Zukunft? Wer weiß.

Bild: #339281851 von THPStock - stock.adobe.com

August 2020


WAS ERWARTET UNS WOHL NACH DEM TOD?


Die Frage, was nach dem Tod kommt, stellen sich wohl alle Menschen - seit jeher. Kulturen und Religionen beschäftigen sich mit der Vorstellung des ewigen Lebens im Jenseits oder der Wiedergeburt des Diesseits. Beim Christentum verlässt die menschliche Seele nach dem Tod den Körper. Der weitere Weg ist bestimmt durch die Gnade Gottes - je nach Glaube erwarten uns Himmel und Hölle. Im Judentum ist die Totenruhe heilig und ewig. So dürfen die Körper der Toten nicht verbrannt und das Grab nicht mehrfach belegt werden, es ist auf ewig angelegt. Der Glaube, was nach dem Tod kommt, ist unterschiedlich: So glauben z. B. viele, dass alle Toten am Jüngsten Tag gemeinsam auferstehen.               

 

Im Islam herrscht der Glaube an das Paradies und die Hölle - ganz nach irdischer Lebensart. Den gottgefälligen Menschen erwartet das Paradies, ganz nah bei Allah. Den von der Religion Abgewandten die Hölle – detailreich beschrieben im Koran. Wiedergeboren wird man im Glauben des Hinduismus, wenn es dem Gläubigen nicht gelingt, seine Einzelseele (atman) mit der Allseele (brahman) zu vereinigen, um so erlöst zu werden (moksha). Der Kreislauf der Wiedergeburt folgt ansonsten dem "Gesetz der Tat" im irdischen Leben. Wer Gutes tut, wird gut - wer Böses tut wird z. B. als Wurm wiedergeboren. Der Glaube des Buddhisten besagt, dass alle Menschen in einem Kreislauf aus Geburt, Tod und Wiedergeburt gefangen sind. Auch hier hängt die Qualität der Wiedergeburt vom vorherigen Leben ab. Den Zyklus (samsara) verlassen kann man über den "achtfachen Pfad". Dieser formuliert Lebensformen wie Gewaltlosigkeit und Konzentration, um Frieden und innere Ruhe zu finden. Gelingt dies, kann man das Nirvana erreichen - das Nicht-Sein.

Bild: #185078094 von Leo Lintang - stock adobe.com

Juni 2020

 
Anruf